Hendrik Lindemann ist der typische FDP–Wähler – und der Kandidat der Liberalen bei der Bundestagswahl. Bürgerlicher geht es nimmer, was den Laien in Sachen Parteipolitik sympathisch und glaubhaft macht. Er, der selbstständige Sachverständige, ist einer, dem es trotz Wirtschaftskrise gut geht. Genau das will er für möglichst viele seiner Landsleute durchsetzen.
Große Wahlkampfveranstaltungen gibt es bei der kleinen FDP nicht. So treffen wir uns im Straßencafé von Casa Aposto vor dem Schweinfurter Rathaus. 2008 trat Lindemann der FDP bei. Doch seine politische Überzeugung sitzt tief, kommt nicht aus wenigen Jahren. „Lange habe ich mich mit den Parteien und deren Konzepten beschäftigt“, sagt er. Letztendlich war klar, dass seine Überzeugungen nur in die FDP passen.
Auf Platz 58 der Liste sind seine Chancen, in den Bundestag einzuziehen, weniger als dürftig. Warum also dann Wahlkämpfer in der vordersten Front? Weil Lindemann sich entschieden hat, weil er langfristig denkt. Politisch will er etwas bewegen, auf welcher Ebene sich dies auch immer anbieten mag. In den Stadtrat? „Warum nicht“, sagt der Kandidat, für den der Wahlkampf Mittel zum Aufbau des Bekanntheitsgrades ist.
Lindemann denkt langfristig, investiert viel Zeit für die FDP und seine Ideen. Den Internet-Auftritt des Kreisverbandes hat er auf Vordermann gebracht, das Amt des Pressesprechers übernommen. Bei nur 50 Parteimitgliedern in Stadt und Landkreis Schweinfurt waren die Monate seit seinem Parteieintritt vor allem durch die Wahlen zum Europaparlament und jetzt zum Bundestag geprägt, was heißen will, dass der Kandidat selbst Hand anlegen muss, etwa wenn die FDP plakatiert. Immerhin: bestellt sind für Schweinfurt Stadt und Land 300 Themen- und 200 Kandidatenplakate.
Probleme lösen, das ist für Lindemann pragmatische Politik, über die das liberale Ziel, eine gesunde Mittelschicht, nicht zu vergessen sei. Und Probleme gebe es allenthalben, in der großen wie in der Kommunalpolitik. Eine Partei müsse sich diesen stellen, müsse auf allen Ebenen wirken, dürfe nicht zu einseitig auf Bundes-, Landes- oder Kommunalpolitik ausgerichtet sein. Dafür stehe die FDP im bürgerlichen Lager.
In Schweinfurt steht die FDP allerdings seit Jahren auf einem ziemlich verlorenen Posten, obwohl die Mitgliederzahlen leicht gestiegen sind. Die Zeiten, als Hermann Rind aus Schweinfurt dem Bundestag angehörte, sind längst vorbei. Im Stadtrat steht der einzige Vertreter Georg Wiederer zudem mehr für Georg Wiederer als für die FDP. Lindemann lobt Wiederer jedoch für seine „wertvolle Arbeit für die FDP“. Angefeindet werde dieser mitunter, da er ein erfolgreicher Geschäftsmann sei.
Nach Berlin möchte Lindemann, weil in Deutschland eine verhängnisvolle soziale Entwicklung zu stoppen sei, eine, die die USA bereits erlebe. Die Ausdünnung der Mittelschicht, die die größten Lasten trage, führe in ein soziales Chaos, führe immer mehr Leute unter die Armutsgrenze. Die FDP werde dieses Spiel nicht dulden, ist sich Lindemann sicher.
Der Mittelstand, und das meint er nicht nur wirtschaftlich, ist für ihn so etwas wie ein Zauberwort. Sei die bürgerliche Mitte gesund, dann sei das auch die Gesellschaft; – ein Staat, der Maschen für die sozial Schwachen stricken könne. Stopfen will natürlich auch er Steuerschlupflöcher der multinationalen Konzerne, die ihre Gewinne zwar in Deutschland erwirtschaften, aber die Steuern Niedrigsteuerländer abführen. Doch daran alleine werde der Staat nicht genesen. Wichtiger sei, dass die Mittelschicht genügend Geld in der Tasche habe, damit die Wirtschaft floriere.
Schweinfurt ist für den Kandidaten eine Stadt der bürgerlichen Mitte. Hier schätzt er das kulturelle, gesellschaftliche, das (bezahlbar-)gastronomische und das Freizeitangebot. Normalverdiener könnten uneingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen. Bei der Frage nach den Hobbys kommt Lindemann ein wenig ins Schleudern. Er lese gerne, fahre gerne Ski und besucht regelmäßig ein Fitnessstudio. Doch seitdem er sich parteipolitisch engagiere, bleibe dafür wenig Zeit. Politik ist für ihn kein Hobby, eher Berufung, vor allem aber Arbeit, denn von nix kommt nix – für den Mittelstand.
